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Verschlusssache  
Verschlusssache - Teil 1

Vor kurzem stolperte ich über eine Verlautbarung mit dem Titel "Schraubverschluss – aus Liebe zum Wein". Mit einem Lächeln fragte ich mich, was ein Schraubverschluß (Ingenieure nenne ihn "Anrollverschluss") mit Liebe zu tun hat? Natürlich nichts! Allein das Wort "Verschluss", zumal in Verbindung mit "Schraub", ist hoffnungslos unerotisch. Und schon gar nicht liebevoll. Schluss, aus, Problem gelöst, das soll hier vermittelt werden.

Liebevoll zum Wein ist allein das, was die Schweizer in ihrem unübertroffen kernigen, klaren Deutsch Zapfen nennen. Der Kork. Seine ungeheure Bindungsfähigkeit zum Wein, besonders in der Jugend des Göttertropfens, muss bisweilen mit beherztem Zugriff gelöst werden. Im Alter hingegen führt nur eine äußerst vorsichtige Herangehensweise und ein sanfter Zug zum Ziel. Denn nur so kann man einem in Ehren gealterten Kork, der mit seinen eigenen Duftnoten und seinen Farbschattierungen eher einem Naturkunstwerk ähnelt, zu Leibe rücken. Und das ist Liebe zum Wein!

Weder der Schraubverschluß noch der Glasstöpsel haben diese Eigenschaften. Öffnet man den Drehverschluß, lässt er bisweilen ein gut vernehmliches "Kracks" hören. Ein Geräusch, das keine besonders schönen Assoziationen entstehen lässt. Der Glasstöpsel, auch Vino-Lok genannt (ein Kunstwort, das vermutlich mitpatentiert wurde), ist eine allseits gefeierte Innovation und lässt sich eher klammheimlich öffnen. Das Wort "Lok" assoziiert ja "eingesperrt sein", "Gefängnis" oder "lock-up". Eine etwas verschrobene Erotik, denn beim Wein geht es doch eher ums come-together. Hat man Vino-Lok ent-lokt, hält man einen durchsichtigen Pressglasstöpsel in der Hand, der mich fatal an meinen Chemieunterricht erinnert.

Jetzt wissen Sie, was Ihr Weinhändler fühlt – aber was denkt er?
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