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Überraschung

Große Namen können für nachfolgende Generationen eine Belastung sein. Die Geschichte kennt zahlreiche Beispiele dafür. Und so schaute ich ganz genau hin, als ich auf einem Portwein den Namen Bouchard las. Denn dabei handelt es sich um eines jener flächendeckenden Handelshäuser aus Burgund, für die der Markt leider wichtiger ist, als das Produkt selbst.

Bei genauerem Hinsehen jedoch entpuppte sich der Name als Zeichen des Aufbruchs. Ein gewisser Vincent Bouchard hatte sich von den Geschäften seiner Dynastie verabschiedet, um in Portugal die Quinta do Tedo zu erwerben. Und natürlich, um richtig guten Portwein zu produzieren.

Die Tatsache, dass in seinen Adern aber nach wie vor Burgunder fließt, schmeckt man beim ersten Schluck sofort heraus. Noch nie habe ich einen so weinigen, charaktervollen und lebendigen Ruby getrunken. Der Ruby kann ja oft recht süß und verschlossen sein, so dass man sich fragt, warum ein derartiges Getränk überhaupt so berühmt werden konnte. Vor allem, wenn man schon aufgrund des Preises seine ersten Porterfahrungen mit einem Ruby macht.

Vincent Bouchards Ruby zeigt sich hingegen anspruchsvoll und spannend. Mit Würze, Spiel und blütenduftigen Fruchtaromen. Und, ganz erstaunlich, mit einem trockenen Kern. Die Methoden hat er zuhause gelernt: 25Jahre alte Rebstöcke,französische Holzfässer und eine Cuvee, die mit 18(!) Rebsorten das angestrebte Geschmacksideal erreicht. Es ergibt sich so eigentlich ein kleiner, dabei aber großer Port, der so manchen LBV spielend in den Schatten stellt. Und das für sage und schreibe nur 17.50€.